Stipendium 2022                                                                                                                                                                                                   "Auf geht´s" Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen - MKW

11.04.22

 

Kurzbeschreibung meines Projektes

 

 "Schlagseite"

 

Zum Anlass des berühmten Schauspielers Bruce Willis, der nun eine Aphasie erlitt, möchte ich Kontakte knüpfen zu den verschiedenen Aphasie e.V. von NRW und andere Aphasiker. Ich möchte eine Transparente Beschreibung dieser "Sprachstörung" in die Welt losschicken. (*Aphasie kommt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt "ohne Sprache".) Jeder Aphasiker_in hat körperlich/Sprachlich eine "Schlagseite" und möchte dieses Thema angehen.

 

Die Idee ist privat begründet, durch diese Krankheit von 2004. Durch die Jahrzehnte lange Erfahrung über Hilfestellung der Kunst, soll eine Fotografische Dokumentation entstehen. Es geht immer um zwei Aufnahmen in S/W. Ich werde Menschen interviewen und fotografieren. Das erste Foto soll in neutraler, portraitierter Pose zeigen, ohne jegliches Beiwerk. Das zweite soll eine Tätigkeit zeigen, die Sie damit definiert, was Sie gerne tun/Beruf/Hobbies. Es ist immer noch so, dass körperlich oder geistig vermeintlich eingeschränkte Menschen kaum vollständig integriert werden.

 

Erkrankungen sind noch ein Tabuthema, den ich gerne kritisieren beleuchten möchte. Das zentrale Thema ist: "Wenn wir unsere Arbeit tun, hört die "Erkrankung" kurzfristig auf. Man vergisst es dabei! Durch die Tätigkeit kann ich zeigen, wie sich das Gesicht positiv verändert u. die Schönheit/Sinnlichkeit faszinieren wird. Mit anschließenden Fotoausstellung, dsgvo-konform, Blog, Social Media

 

 

 

Pressebericht: 20.06.22

Ich bin Petra!

Ich bin 53 Jahre alt.

Ich bin in Köln geboren und lebe in Oer-Erkenschwick.

Ich habe 2 Kinder und bin verheiratet.

Ich habe Medizinische Fachangestellte gelernt und bis 2020 in einer Praxis gearbeitet.

 

Jetzt bin ich erwerbsunfähig. Das ist ok!

 

Das Ereignis meiner Aphasie kam 2020. Ich habe einen Aneurysma und einen Schlaganfall gehabt.Im Moment gehe ich 3-mal in der Woche zum Logopäden und mache selbst auch alleine Training!

 

Es gibt leider Kontakte die sich von mir entfernt haben, weil Sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Das ist schon traurig!

 

Ich habe schon immer viel Sport betrieben, aber nach der Erkrankung haben wir einen Hund gekauft. Er heißt Berry! 

Ich bin so froh, dass er da ist. Denn da habe ich keine Sorgen und Ängste mit der Sprache. Darüber hinaus, gehen mein Mann und ich mindestens 2 bis 4 Stunden mit dem Hund im Wald spazieren. Das macht mich glücklich mit dem Hund und in der Natur zu sein.

 

Die Gesprächssituation von außenstehende, ist schwierig für mich. Ob es sich um Geduld, Zeitdruck, voreilig mit Worten Aushelfen oder das Durcheinander reden geht, macht mich manchmal niedergeschlagen und mein Selbstbewusstsein hat sich schon ein bisschen verändert.

 

Interview: 16.05.22

Fotoshooting: 14.06.22

*SK


Ich bin Fabio!

Ich bin in Aachen geboren am 31.05.1970.

 

Ich  war schon immer kreativ gewesen bis heute. Ich Fotografiere und Male und sehe die Welt in meiner eigenen Faszinationen. Ich sehe dinge bei einem Spaziergang,  was andere Menschen keine Beachtung schenken, und ich nehme es mit. Es können ein Stock,  Knochen, ein Toten Frosch oder andere „Materialien“ sein, die ich in meinen Bildern verwenden kann.

 

Am 30.Oktober 2007 bin ich bei einem Spaziergang umgekippt, und ein Spaziergänger hat den Notarzt gerufen. Ich hatte einen schweren Schlaganfall**. Mein Gehirn war  schlimm angeschwollen, dass die Ärzte einen Teil von der Schädeldecke entfernen mussten. Dieses Stück Schädel kam dann in den „Kühlschank“ der nach ein paar monaten wieder eingesetzt wurde. ich konnte eine Tage nichts sehen, weil meine Augen angeschollen war! Ich musste mehrere Monate einen Helm tragen.

 

Ich kann leider nicht mehr sprechen und schreiben und bin dankbar, wenn ich mich mit meiner Kunst beschäftige.

 

*SK


Ich bin Doris!

Die Fotos wurden in meinen Atelier aufgenommen.

Das zweite Bild, ist eine angefangene Zeichung auf Ölkeide.

 

Ich werde in diesem Jahr 60.

 

Ich lebe seit meiner Heirat nunmehr fast 35 Jahre in Herten.

Ich musste wegen unerklärlicher Bewegungsstörungen das Studium der Architektur nach dem Vordiplom abbrechen und konnte nie in meinem Traumberuf arbeiten.

 

Als junge Frau mit drei totgeborenen Kindern wurde immer die Psyche als Erklärung herangezogen und dementsprechend Psychopharmaka verordnet - was schließlich einen Schlaganfall hervorrief.

 

2011 bekam ich endlich eine alles erklärende Diagnose: Lupus Erythematodes - dass heißt, das Immunsystem meines Körpers greift sich selbst an (Und somit auch das Ungeborene).

 

!Ich trage keine Schuld meinem Schicksal! Eine tonnenschwere Last fiel von meiner Seele!

 

Mit dem Lupus kann ich leben. Erfordert zwar ein gewisses Maß an Disziplin , regelmäßige Kontrolle von Herz, Nieren, Lungen und Blutbild.

 

Ich habe neuen Lebensmut gefasst.  Habe wieder mit Malen begonnen, eine eigene Webseite erarbeitet, auf der ich meine Werke vorstelle.(www.ruhrpastelle.de)

 

Bin im Wanderverein aktiv, plane und leite Wanderungen, die meinem Interesse an der Zechenarchitektur des Ruhrgebietes  entgegenkommen.

 

Zwar sind die Beeinträchtigungen des Sprachzentrums infolge des Apoplex geblieben.

 

Ich bemerke immer wieder, Menschen, die mich nicht kennen, stehen mir mit einer gewissen Skepsis gegenüber, sobald ich den Mund aufmache. Ich gehe aber offen mit meinem Handikap um und fühle mich meist akzeptiert.

 

Mir geht es gut!

 

 

Interview: 23.06.22

Fotoshooting: 23.06.22


Ich bin Brigitte!

Ich bin in Niemes geboren am 29.08.1945, in der ehemaligen Tschechoslowakei.

 

Meine Eltern und ich wurden 1946 ausgewiesen. Im Alter von 3 Jahre sind wir erst mal in Gelsenkirchen angekommen.

 

Als ich noch jung war, sagte meine Mutter mir, dass ich eine „Sauklaue“ habe. So kam es also dazu, dass ich Mitte 20,  „die Kunst des schönen Schreibens“  lernte bis heute.

 

Ich habe 3 Berufe erlernt, und den letzten Beruf als Arbeitsvermittlerin habe ich über 20 Jahre ausgeübt.

 

2012 habe ich ein Atelier eröffnet im Kunsthof in Westerholt mit Kalligraphie.

 

Am 13. August 2013 stand ich in der Küche und mir wurde schlecht. Ich merkte, dass ich nicht mehr klar war.

 

Meine Nachbarin rief an. Im Gespräch fragte sie auf einmal "was sprichst du so komisch?" Ich erzählte ihr, was mit mir war. Sie verständigte sofort den Notarzt. Ich hatte einen Schlaganfall. Später entwickelte sich eine Spastik. Ich hatte keine Kontrolle mehr im Bein und meiner Hand. Heute ist es zwar nicht mehr ganz so schlimm, aber in meinem Hobby kann es passieren, dass ich einfach abrutsche und meine Hand macht was er will.

 

Ich konnte mich zwar verständigen, habe aber bis heute Wortfindungsstörung.

 

Mehrere Freundschaften sind nach der Erkrankung auf der Strecke geblieben, denn sie kamen damit nicht klar. 

40 Jahre Erfahrung mit Kalligraphie macht mich ruhig und entspannt. Ich kann in eine andere Welt abtauchen und alles andere um mich herum kurz vergessen.

 

 

Interview: 23.06.22

Fotoshooting: 23.06.22

*SK

 


Ich bin Martina!

Das Licht der Welt erblickte ich am 30.08.1970 in Dinslaken.

 

Als RENO Fachangestellte, Kaufm. Angestellte der Chemie und im KKH auf der Unfallchirurgie als Stationssekretärin habe ich gearbeitet.

 

In der Freizeit machte ich viel mit Kindern in der KJG, spielte Orgel, Ritt, Surfte, Ski fahren, Rollschuhe laufen, viel Sport und hatte viel Spaß!

 

Im KKH lag ich mit einer Migräne accomagné, Lähmungserscheinung der rechten Seite, Sprachausfall, Sichtausfall und erlitt dort einen Schlaganfall** mit Aphasie mit 26 Jahren.

 

Danach war alles anders!

 

Wochen lag ich auf der Intensiv. Um das Überleben wurde gekämpft. Laufen, Sprechen, Bewegen, Kommunikation alles war weck und musste neu erlernt werden, bis zum heutigen Tag habe ich noch Physio, KG und Sprachtherapie! 

Amnestetische Aphasie

 

Meine Rente stand an und jetzt!!

 

Die Aphasie nahm Dir Dein Leben, Dein Glück und Dein „Ich“, steh auf und mache etwas für Dich!

 

In der Zwischenzeit habe ich mich anders Orientiert in unterschiedlichen Institutionen und versuche anderen Aphasie und Schlaganfallpatienten zu helfen.

 

- Basisqualifizierung Betreuungskraft

- Schlaganfall – Helferin

- Lotsentagungen der Deutschen-Schlaganfall-Hilfe

- LAG Vereinsrecht

- Selbsthilfe vor Ort, Lotsin für Menschen mit Behinderung

- Schlaganfall – Sprache – Musik

- Neuroläufe

- Landesverband des Schlaganfalls NRW

- Mobil trotz Schlaganfall

- Aphasie, Schlaganfallgruppen

 

Die Aphasie wird aber von vielen Leuten nicht anerkannt und als Denkunfähigkeit betrachtet.

 

Das Denkvermögen ist ganz normal, ich habe Schwierigkeiten mit dem Sprechen. Bitte haben sie beim Gespräch ein wenig Geduld.

 

 

Interview: 25.06.22

Fotoshooting: 30.06.22


Ich bin Michael!

Geboren wurde ich am 28.05.1971 in Duisburg.

Bis zum Jahre 2007 habe ich in meiner Geburtsstadt gelebt und gearbeitet.

 

Aachen wurde dann mein neuer beruflicher Lebensmittelpunkt. Dort habe ich bis zum Jahre 2015 als Projektmanager für die Firma Cyberlink gearbeitet.

 

Für die Liebe meines Lebens, fiel es mir dann nicht schwer, meinen letzten Lebensmittelpunkt in Recklinghausen zu finden. 2015 war für mich -das bisher- schönste Jahre in meinem Leben. Hauskauf (20.04.2015), Jobwechsel zur Firma PROSOZ in Herten (01.07.2015) aber vor allem…. die Hochzeit meiner Traumfrau am 14.09.2015.

 

Am 07.09.2021 änderte sich mein -bis dato- so perfektes Leben „schlagartig“. Bei der Zubereitung des Abendessen bin ich zusammengesackt und konnte mich ab dieser Sekunde weder artikulieren noch bewegen (Lähmung der kompletten rechten Körperhälfte mit ausgeprägter Hemiparese). Meine Frau handelte in sekundenschnelle und rief den Notarzt.

 

Ich wurde mit der Verdachtsdiagnose, Hirnblutung & Schlaganfall ins Klinikum Vest Recklinghausen eingeliefert. Leider bestätigten sich beide Diagnosen und ich erhielt noch in der selben Nacht in einer Not-OP eine Thrombektomie.

 

Ich bin meiner Frau unendlich dankbar für ihr schnelles Handeln. Wäre sie nicht gewesen, wäre ich heute nicht mehr am Leben.

 

Durch die intensive Therapien (Krankenhaus & Rehaklinik Hagen  Ambrock & Logopädie Vest & Salvea Recklinghausen) geht es mir heute gut. An meiner noch vorhandenen Sprachstörung und der Schwäche in meiner rechten Hand arbeite ich jeden Tag hart, denn ich habe einen sehr hohen eignen Anspruch. Meine Firma ermöglicht mir aktuell einen Wiedereingliederungsprozess, auf den ich wahnsinnig stolz bin.

 

Das größte Glück -in der schwersten Zeit meines Lebens- hatte / habe ich mit der Unterstützung meiner Familie, meinen Freunden und Arbeitskollegen.

 

Sie waren Tag und Nacht für mich, vor allem aber auch für meine Frau da. 

 

 

Interview: 25.06.22

Fotoshooting: 25.06.22


*SK

Für die Aphasiker_in, die nicht mehr lesen können, oder mit schreiben noch problemen, habe ich den Text mit Ihnen besprochen und habe es für Sie geschreiben.

 

**Die Faktor-V-Leiden-Mutation, auch APC-Resistenz genannt, ist eine Erbkrankheit, die die Blutgerinnung stört. Das bedeutet, die Betroffenen haben ein höheres Risiko, ein Blutgerinnsel (Thrombose) zu bekommen. Verursacht wird die Erkrankung meist durch eine genetische Mutation am Blutgerinnungsfaktor V (sprich: fünf).